Conformité

KI-Audit: 20-Punkte-Checkliste für AI Act Konformität

KI-Systeme auditieren: Inventar, Risikoklassifizierung, 20 Prüfpunkte und technische Dokumentation nach dem AI Act.

14 avril 20265 min de lectureWarDek Team

KI-Audit: 20-Punkte-Checkliste für AI-Act-Konformität

Der AI Act fordert von Anbietern und Betreibern von KI-Systemen ein strukturiertes Compliance-Management. Dieser Leitfaden gibt Ihnen eine praxistaugliche 20-Punkte-Checkliste, um Ihre KI-Systeme systematisch auf Konformität zu prüfen.

Phase 1: KI-Inventar erstellen (Punkte 1–5)

Bevor Sie prüfen können, müssen Sie wissen, was zu prüfen ist.

1. Vollständiges KI-Register

Erfassen Sie jedes KI-System in Ihrem Unternehmen:

FeldBeschreibung
Name/BezeichnungInterner Name und Produktname
AnbieterHersteller/Entwickler
EinsatzzweckWofür wird das System genutzt?
AbteilungWelche Abteilung nutzt es?
DatenquellenWelche Daten fließen ein?
EntscheidungsrelevanzTrifft das System Entscheidungen über Personen?
EinführungsdatumSeit wann im Einsatz?

2. Rolle bestimmen: Provider oder Deployer

Pro KI-System festlegen:

  • Provider: Sie entwickeln/vertreiben das KI-System
  • Deployer: Sie setzen ein externes KI-System ein
  • Beides: Sie passen ein externes System wesentlich an (dann ggf. Provider-Pflichten)

3. Risikoklasse zuordnen

  • ☐ Fällt das System unter ein Verbot (Art. 5)?
  • ☐ Ist es ein Hochrisiko-System (Anhang I oder III)?
  • ☐ Unterliegt es Transparenzpflichten (Art. 50)?
  • ☐ Minimales Risiko (keine spezifischen Pflichten)?

4. GPAI-Einordnung

  • ☐ Nutzen Sie General-Purpose-AI-Modelle (ChatGPT, Gemini, Claude)?
  • ☐ Haben Sie Zugang zur Dokumentation des GPAI-Anbieters?
  • ☐ Verwenden Sie die GPAI innerhalb des bestimmungsgemäßen Gebrauchs?

5. Drittanbieter-Abhängigkeiten

  • ☐ Welche KI-Dienste beziehen Sie von Dritten?
  • ☐ Sind diese Anbieter EU-ansässig oder haben einen EU-Bevollmächtigten?
  • ☐ Stellen die Anbieter die notwendige Dokumentation bereit?

Phase 2: Governance und Organisation (Punkte 6–10)

6. KI-Verantwortlicher benannt

  • ☐ Eine Person oder Rolle ist für KI-Compliance verantwortlich
  • ☐ Berichtsweg an die Geschäftsleitung definiert
  • ☐ Budget für KI-Compliance vorhanden

7. KI-Richtlinie vorhanden

  • ☐ Unternehmensweite KI-Nutzungsrichtlinie existiert
  • ☐ Erlaubte und verbotene Nutzungen definiert
  • ☐ Freigabeprozess für neue KI-Tools etabliert
  • ☐ Regelmäßig aktualisiert (mindestens jährlich)

8. KI-Kompetenz (Art. 4)

  • ☐ Schulungsprogramm existiert
  • ☐ Alle relevanten Mitarbeiter geschult
  • ☐ Schulungen dokumentiert (Teilnehmer, Datum, Inhalt)
  • ☐ Regelmäßige Auffrischungen geplant

9. Menschliche Aufsicht

  • ☐ Für Hochrisiko-KI: Qualifiziertes Aufsichtspersonal benannt
  • ☐ Eskalationsprozesse definiert (wann greift ein Mensch ein?)
  • ☐ Aufsichtspersonal versteht Funktionsweise und Grenzen des Systems

10. Incident-Management

  • ☐ Meldeprozess für KI-Fehlfunktionen definiert
  • ☐ Dokumentation von Vorfällen (Bias, Fehlentscheidungen, Ausfälle)
  • ☐ Bei schwerwiegenden Vorfällen: Meldepflicht an Behörden bekannt

Phase 3: Technische Prüfung (Punkte 11–15)

11. Daten-Governance

  • ☐ Trainingsdaten dokumentiert (bei Provider-Rolle)
  • ☐ Eingabedaten-Qualität sichergestellt (bei Deployer-Rolle)
  • ☐ Datenschutz-konform (DSGVO, DSFA bei Hochrisiko)
  • ☐ Keine diskriminierenden Datensätze

12. Bias und Fairness

  • ☐ Regelmäßige Bias-Prüfung durchgeführt
  • ☐ Ergebnisse dokumentiert
  • ☐ Maßnahmen bei erkanntem Bias definiert
  • ☐ Diverse Testdaten verwendet

13. Robustheit und Cybersicherheit

  • ☐ Adversariale Tests durchgeführt (bei Provider-Rolle)
  • ☐ Zugriffsschutz auf KI-Systeme implementiert
  • ☐ Logging und Monitoring aktiv
  • ☐ Schutz gegen Manipulation der Eingabedaten

14. Genauigkeit und Leistung

  • ☐ Leistungskennzahlen definiert und gemessen
  • ☐ Akzeptable Fehlerquoten festgelegt
  • ☐ Regelmäßige Leistungsüberprüfung
  • ☐ Schwellenwerte für Alarm/Abschaltung definiert

15. Transparenz und Erklärbarkeit

  • ☐ Für Nutzer: Verständliche Erklärung der KI-Funktionsweise
  • ☐ Für Betroffene: Information über KI-gestützte Entscheidungen
  • ☐ Für Chatbots: KI-Kennzeichnung implementiert
  • ☐ Für generierte Inhalte: Kennzeichnung als KI-erstellt

Phase 4: Dokumentation und Compliance (Punkte 16–20)

16. Technische Dokumentation

Für Provider von Hochrisiko-KI:

DokumentInhalt
SystembeschreibungZweck, Funktionsweise, Grenzen
RisikomanagementIdentifizierte Risiken und Maßnahmen
Daten-DokumentationTrainings-/Validierungsdaten, Qualitätskriterien
LeistungskennzahlenGenauigkeit, Fehlerquoten, Bias-Metriken
GebrauchsanweisungBestimmungsgemäße Verwendung, Einschränkungen

17. Aufzeichnungspflichten

  • ☐ Automatische Logs aktiv (bei Hochrisiko-KI)
  • ☐ Aufbewahrungsfrist definiert (mindestens 6 Monate)
  • ☐ Logs vor Manipulation geschützt
  • ☐ Zugriff auf Logs geregelt

18. Konformitätsbewertung

Für Provider von Hochrisiko-KI:

  • ☐ Selbstbewertung durchgeführt ODER
  • ☐ Drittbewertung durch benannte Stelle
  • ☐ Konformitätserklärung ausgestellt
  • ☐ CE-Kennzeichnung angebracht

19. EU-Datenbank-Registrierung

  • ☐ Hochrisiko-KI in der EU-Datenbank registriert (Provider-Pflicht)
  • ☐ Deployer: Eigene Registrierung als Betreiber (bei bestimmten Hochrisiko-Systemen)

20. Kontinuierliche Verbesserung

  • ☐ Jährlicher Audit-Zyklus geplant
  • ☐ Änderungsmanagement für KI-Systeme definiert
  • ☐ Regulatorische Entwicklungen überwacht
  • ☐ Lessons Learned aus Vorfällen integriert

Audit-Bewertungsmatrix

Punkte erreichtBewertungHandlungsbedarf
18–20ExzellentRegelmäßiges Monitoring
14–17GutGezielte Verbesserungen
10–13AusreichendSystematische Nachbesserung
6–9MangelhaftDringender Handlungsbedarf
< 6KritischSofortprogramm erforderlich

Priorisierung nach Risiko

Nicht jeder Punkt hat die gleiche Dringlichkeit:

Sofort (Pflicht seit 02/2025)

  • KI-Inventar (Punkt 1)
  • Risikoklassifizierung (Punkt 3)
  • KI-Kompetenz-Schulungen (Punkt 8)
  • Verbotene Systeme identifizieren und abstellen (Punkt 3)

Bis August 2026

  • Alle Governance-Punkte (6–10)
  • Technische Prüfung für Hochrisiko (11–15)
  • Transparenzpflichten umsetzen (15)

Laufend

  • Monitoring und Dokumentation (16–20)
  • Jährliche Audits

Werkzeuge und Ressourcen

RessourceNutzen
ALTAI (Assessment List for Trustworthy AI)Fragebogen der EU-Kommission für Selbstbewertung
BSI AIC4Prüfkatalog für KI-Systeme des BSI
ISO/IEC 42001Managementsystem für KI (zertifizierbar)
NIST AI RMFRisikomanagement-Framework (US, ergänzend)

Fazit

Ein KI-Audit nach dem AI Act ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein fortlaufender Prozess. Beginnen Sie mit dem Inventar und der Risikoklassifizierung — das verschafft Ihnen Überblick und Handlungsfähigkeit. Die 20 Punkte dieser Checkliste bieten eine strukturierte Grundlage für Ihre KI-Compliance.


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